Undercover (German Publishing 2005)

Dieser Episodenroman besteht aus vielen ganz kurzen Geschichten, meist nur 2-3 Seiten lang. Man kann das Buch von vorne bis hinten linear lesen oder willkürlich aufschlagen und hin- und herswitchen. Der Klappentext suggeriert zwar, das Buch würde eine wie auch immer geartete Agentengeschichte erzählen, aber Ploog-Kenner wissen, daß der Autor damit nicht dienen will. Ploog geht es auch in seinem smartesten Buch nicht um einen roten Erzählfaden, sondern um Episoden aus dem Leben seiner Figuren.

Im Mittelpunkt steht Eddie Grips, der dabei ist, „das assoziative Niemandsland zu erkunden“. Der Leser folgt ihm u.a. nach Berlin, Wien, Havanna, Saigon, Buenos Aires, Karthago, Leopoldville. Mehr oder weniger motivlos treibt es ihn rund um den Globus. Er trifft sich mit anderen Figuren, interagiert kurz mit ihnen, fertig. Ploog nutzt dieses Setting wie gewohnt, um sich mit Fragen allgemeiner Relevanz auseinanderzusetzen.

Zum Beispiel: Egoismus. „Eines der gängigsten & stärksten Motive ist Egoismus. Nicht Selbsterhaltungstrieb. Egoismus ist der Luxus der Bornierten, eine krankhafte Spielart des Selbsterhaltungstriebs. Der Egoist ist der Hysteriker unter den Überlebenskünstlern. Er ist einer, der glaubt, dass er keinen Platz bekommt, wenn ein Bus hält & es ans Einsteigen geht. Aus Angst, er könnte keinen Platz finden, will er als Erster einsteigen. Ein Egoist glaubt, dass der Bus nur seinetwegen hält.“

Oder: Die ideale Frau. „Eddie war froh, dass er nie die richtige Frau gefunden hatte. … Er war nie versucht, alle Frauen in einer zu suchen. Es machte mehr Sinn, die eine (falls es die gab) in vielen zu suchen. Die eine, das war das Bild, von dem jede Frau ein Fragment preisgab. Damit war klar, dass jede Frau jeweils nur ein Teil der ungeahnten weiblichen Vielfalt wiedergeben kann.“

Die philosophischen Apercus sind das Salz in den Abenteuerminiaturen. „Im entropischen Gedränge der Sprache war es sinnlos, nach dem Warum zu fragen. Dinge geschehen, wenn sie durchs Raster der Wahrnehmung fallen. Sie geschehen, weil sie die Stille der Sinne durchbrochen haben.“

Ansonsten jongliert Ploog wie immer gekonnt mit Versatzstücken aus allen Genres. Für Literaturkenner sind die Anspielungen auf Conrad, Döblin und andere Bezugsgrößen besondere Leckerbissen. Wenn man ziellos durch die 250 Seiten schmökert, dann entfalten diese geschmeidigen Kürzestgeschichten ihren besonderen Reiz. Die von Ploog selbst gezeichneten Vignetten geben dem großen Lesevergnügen noch eine besondere Note.