Sternzeit 23 (Udo Breger 1975)

Diese frühe Publikation von Jürgen Ploog lebt heute ganz vom Charme der Aufmachung: braunstichiges Coverfoto aus den fünfziger Jahren, Schreibmaschinentypographie, handschriftliche Verbesserungen im Text, exotische Reisefotos im Innenteil.
Die zwei abgedruckten Texte vermitteln das Lebensgefühl der frühen Siebziger, eingefangen in fragmentarischen Momentaufnahmen und genauen Beobachtungen. „Ein kleiner Fleck blieb auf dem Sitz zurück, als sie aufstand.“ Es ist eine Jugend, die aufmuckt gegen die Elterngeneration. Man hört rebellische Musik, nimmt Drogen, experimentiert mit freier Liebe und träumt vom Unterwegssein. „Abends bleiben wir in einem überfüllten Überland-Hotel mit lauter Jukebox-Musik. Der Coffeeshop ist voll mit Freaks, die unterwegs sind nach Key Largo, Santa Fe, Casablanca, Lissabon, Tanger, Kathmandu oder auch nur ins Nirwana.“
Die Lebensmodelle dieser Jugend konterkarieren die der Eltern. „Mein Abschied von dem, was sie Wirklichkeit nennen. Die üblichen Wahnvorstellungen, die einen irgendwie am Leben erhalten, diese Notizen von unterwegs.“ Und wenn gar nichts mehr hilft, wirft man sich etwas ein, um sich die Welt schön zu machen. „Die letzte Nacht verbrachte ich damit, zuzusehen, wie sich das gelbe Schwimmbecken in einen heulenden Mond verwandelte.“
Formal bleibt sich Ploog treu. Er treibt seine Cut-up-Experimente weiter, orientiert sich an Claude Pélieu, verarbeitet aber auch ganz reale Erlebnisse seines Pilotenalltags. „Nächte in Hotels sind überall gleich trostlos, die beste Zeit, um mit Bildern einer verwaschenen Vergangenheit fertigzuwerden.“
Zwischen den Flügen wird das Hotel der Ort, um sich der Imagination zu überlassen. „In meinen Aufzeichnungen lebe ich das kaum logische Schicksal einer Filmfigur.“
„Sternzeit 23“ ist ein gekonntes Frühwerk, das Zeugnis einer Aufbruchszeit und inzwischen ein begehrtes Sammlerobjekt.