Rückkehr ins Coca & Cola Hinterland (Engstler 1995)

Hier wagt Ploog ein spannendes Experiment. Mit dem titelgebenden Text kehrt er zu seinen ganz frühen Cut-up-Anfängen zurück. Und mit den zwei nachfolgenden Essays liefert er theoretische Überlegungen zu dieser Schreibweise.

Ausgangspunkt ist Burroughs Statement: „Ein Schriftsteller kann immer nur über eines schreiben: was seine Sinne im Augenblick des Schreibens wahrnehmen …“

Der Eingangstext ist voll Terror und Apokalypse, ein wahrer „Porno-Komik-Strip“. Beim oberflächlichen Lesen wird man wenig damit anfangen können. Befolgt man Ploogs Intention, sieht es ganz anders aus. „Der Körper ist an einen bestimmten Raum gebunden, die Wahrnehmung ist es nicht, & um die Erweiterung dieses Raums geht es, dem Öffnen der Tür zum Raum des Zufalls. Es geht um Grenzverschiebung, die stets ein schmerzlicher Vorgang ist. Ist er verwunden, kann der Budenzauber beginnen, die unbeschreibliche Beschleunigung des Zufalls, der Rausch der Elemente, den Bausteinen unerwarteter Modelle.“ Ploogs Ideal wäre der Leser, der zum Schreiber wird, der zumindest in seinem Kopf das weiterspinnt, was der Ploogsche Text auslöst.

Voraussetzung dafür ist ein wacher Geist und ein gewisses Maß an Aufmüpfigkeit. Angepaßte Mitläufer können da nicht gebraucht werden. „Dies ist ein Ausrottungskrieg, & er ist nicht gegen Personen gerichtet, sondern gegen eine Haltung, den Duktus der Unabhängigkeit & des Rebellischen, der (zurecht) als Angriff auf die verwaltete Struktur des Wohlverhaltens & der Anpassung gilt, die sich als spezifisches historisches Missverständnis der postfaschistischen Bundesrepublik gebildet hat & der inzwischen mit dem Bastard der political correctness ein kultureller Sicherheitsdienst erwachsen ist. Der geistige, der künstlerisch individuelle Ausdruck ist niemals politisch korrekt. Er ist ganz entschieden gegen jedes Juste-Milieu, jeden anonymen Konsens gerichtet. So bleibt in dieser von langweiliger Souveränität geplagten Öffentlichkeit die menschliche Projektion ein kryptisches Fragment, unausgesprochen, unverständlich.“

Abgeschlossen wird das Bändchen von dem Essay „Cut-up revisited. Persönliche Notizen über Erfahrungen mit der Technik der semantischen Abweichung“. In diesem stark autobiografisch geprägten Text begreift der Leser, daß es für Ploog gar keine Alternative zu dem von ihm eingeschlagenen Weg gab. „Feststeht, dass es keine Methode gibt, deren Anwendung die Qualität der Arbeit eines Autors verbessert. Sie kann sie bestenfalls verändern, aber seine Aussageform bleibt stets an seine gestaltenden & kognitiven Fähigkeiten gebunden.“ Ploogs Leben war Cut-up („Ständiger Wechsel der realen Kulisse, Zeitunterschiede, Nachtflüge, metabolische Desorientierung“), dieses „geomatische Zapping“ verlangte nach einer adäquaten Gestaltungsform. „Ich konnte nur kontinuierlich arbeiten, indem ich zu einer diskontinuierlichen Schreibweise fand.“