RadarOrient (Moloko Print 2015)

In dieser Neuauflage eines bereits 1976 erschienenen Titels geht es, wie Ploog in einem kurzen Nachwort schreibt, „darum, sich zurechtzufinden zwischen unbegrenzten technischen Möglichkeiten, den digitalen Wüsten, die sich rasant ausbreiteten“.
Es war die Zeit des Aufbruchs in „eine nicht festgelegte Schreib- & Sichtweise, denn Realität beruht auf Sichtweise & einem Blick, der Möglichkeiten einer erweiterten Vorstellungskraft erschliesst, hin zu einer Vision von Leben unter Bedingungen, die nicht vor-geschrieben sind“. Ploog nennt seine kurzen, hart geschnittenen Texte selbst „Protokolle“. Man sieht ihn förmlich irgendwo an einem exotischen Ort hocken und seine Beobachtungen aufschreiben. Seine Augen gehen hierhin und dahin, blitzlichtartig bringt er die Reizüberflutung aufs Papier.
Wenn man weiß, daß er Anfang der Siebziger mit Walter Hartmann und Reimar Banis auf dem indischen Subkontinent unterwegs war, werden seine Skizzen über Hitchhiker und Hippies in Indien ganz realistisch. „Der Bus musste über eine schmale Brücke. Vorher stiegen die Männer aus und überquerten sie zu Fuss. Anscheinend würde sie das Gewicht des vollen Busses nicht aushalten.“
Meist sind es jedoch Notate, die eng mit seinem Pilotenalltag verknüpft sind: „Im Hotel dusche ich, nehme den Fahrstuhl und versuche in den abflauenden Trubel der Stadt einzutauchen, ein Einheimischer zu sein…“ Die alltäglichen Erlebnisse im Cockpit und auf der Straße mischt er mit Versatzstücken aus Filmen, Krimis und Halluzinationen, wie sie nach einem langen Nachtflug und Jetlag nicht außergewöhnlich sind. „Nach 2 Tassen Kaffee sprang die Erschöpfung mit dem Klicken eines Schalters in bizarre Bilder um.“
Das Leben eines Piloten ist ein ständiges Hin und Her, in jeder Beziehung, auch der zu Frauen. Ploog spielt hier alle Varianten durch, aus heutiger Sicht vielleicht etwas zu machomäßig, aber es gelingen ihm einfach auch Sätze, die ganze Filme im Kopf auslösen können: „Kiki gab sich einen Ruck und unsere Schenkel begegneten sich …“
Wer nach nicht konventioneller Abenteuerliteratur sucht, sich vom „Virus der Fliegerei“ anstecken lassen möchte, wird dieses mit Illustrationen von Robert Schalinski/Walter Hartmann ausgestattete Buch lieben. „Ein Gemisch aus Dieselfahnen und Abgasen hing über William-Blake-Visionen und Whitman-Beschwörungen …“