Ploog West End (Edition W 2025)

2025 ist das Jahr, in dem Jürgen Ploog seinen 90. Geburtstag gefeiert hätte und in dem sich sein 5. Todestag jährt. Aus diesem Anlaß erscheint ein Reader, der erstmals einen umfassenden Einblick in sein gesamtes Schaffen gibt und ihn in all seinen Facetten porträtiert. Das Buch ist in 10 Kapitel gegliedert.

Die Literaturwissenschaftler Enno Stahl und Sigrid Fahrer ordnen Ploogs Stellenwert und seine Bedeutung für den deutschsprachigen literarischen Underground kompetent ein.

Im Kapitel „Memories“ erzählen die Weggefährten Ralf-Rainer Rygulla, Wolf Wondratschek, Frank Witzel, Klaus Maeck, Edo Popovic, Alfred 23 Harth, Udo Breger, Jamal Tuschick, Frank Mühlich, Robsie Richter, Ni Gudix, Roland Adelmann und Martina Weber in spannenden Anekdoten über ihre Begegnungen mit Ploog.

In zwei langen Interviews (gegeben 1988 und 2011) spricht Ploog über seinen Werdegang und seine Poetologie.

Im Kapitel „Zeitschriften“ findet man interessante Dokumente vor allem zu der legendären, von Ploog initiierten Zeitschrift Gasolin 23.

Im Nachlaß von Ploog befinden sich tausende von Briefen. Eine kleine Auswahl (u.a. von Carl Weissner, Jörg Fauser, Walter Hartmann, Kathy Acker) gibt vor allem Auskunft über die Anfänge des deutschen Undergrounds und wie die amerikanische Beatliteratur Ende der sechziger Jahre nach Deutschland kam.

Jürgen Ploog hat jahrzehntelang auch gemalt. Dieser Teil seines Schaffens war bisher nur wenigen Freunden bekannt. Das Buch stellt den Maler und seine Bilder erstmals der Öffentlichkeit vor.

Ebenfalls unbekannt sind die Tagebücher von Jürgen Ploog. Von 1954 bis zu seinem Tod hat Ploog kontinuierlich Tagebuch geführt. In ausgewählten Passagen reflektiert der äußerst belesene Autor über literarische, philosophische, politische und gesellschaftliche Themen und offenbart weitere, bisher unbekannten Seiten von ihm.

Im nächsten Kapitel präsentieren die Herausgeber „Journalistische, programmatische & philosophische Arbeiten“ des vielseitigen Autors. Vor allem hier wird klar, daß Ploog der Vordenker und intellektuelle Kopf der subkulturellen Literaturszene war.

In „Porträts“ schreibt Ploog über Ira Cohen, Hadayatullah Hübsch, Carl Weissner und seine Tochter Phoebe. Der Text über das Sterben seines Kindes ist Weltliteratur.

„Prosa“ versammelt 5 Texte, die die ganze Bandbreite von Ploogs Schreiben zeigen und ein für alle Male damit aufräumen, daß Ploog nur ein Burroughs-Epigone war. Jahrzehntelang hat er Literatur geschrieben, die in ihrem Bewußtsein mit den Transformationen der Lebenswelt Schritt halten kann. Die Cut-up-Technik hat er im deutschsprachigen Raum zu einer Meisterschaft weiterentwickelt, die ihm eine singuläre Stellung verschaffte, ohne daß der etablierte Literaturbetrieb das zur Kenntnis genommen hätte.

Vier „Nachrufe“ würdigen abschließend Ploogs Ausnahmestellung innerhalb der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur.

Zu Lebzeiten hat Ploog über 30 Einzelpublikationen veröffentlicht. Sein Nachlaß ist ein immenser Schatz, den es noch zu heben gilt. Das vorliegende Lesebuch gibt einen kleinen Einblick in dieses gigantische Werk und ist gleichzeitig ein Porträt der literarischen Subkultur der Jahre 1965-1995. Viele bisher unveröffentlichte Fotos machen das Buch auch optisch zu einem literaturwissenschaftlichen Dokument.

Für Menschen, die sich mit dem Oeuvre von Jürgen Ploog beschäftigen möchten und sich für den literarischen Underground interessieren, wird dieser Reader auf Jahre hinaus ein unverzichtbares Nachschlagewerk sein.