Magic Burroughs / Straßen des Zufalls (Engstler/Galrev 2008)

Rechtzeitig zum Jubiläum brachte Ploogs Verleger Pit Engstler einen Doppelpack auf den Markt. Es galt, 50 Jahre Naked Lunch zu feiern. 1959 war das Buch erstmals in der Olympia Press in Paris erschienen. In Deutschland gab es niemand, der sich mit dem Werk von Burroughs intensiver auseinandergesetzt hatte als Jürgen Ploog. Extra fürs Jubiläum schrieb Ploog „Magic Burroughs“, die erweiterte Fassung von „Straßen des Zufalls“ war schon Jahre vorher erschienen. Engstler packte beide Bücher in einen Schuber.
Ploog kam schon in den frühen sechziger Jahren mit „Naked Lunch“ in Berührung, und es hat ihn ein Leben lang beschäftigt. Burroughs wurde eine große Inspirationsquelle für ihn. „Hier war ein Mann, der nie die Bedingungen gefunden hatte, die er zum Überleben brauchte. Daraus entstand eine Radikalität, die nicht politisch war, sondern existenziell. Sie faszinierte mich nicht an sich, aber die Einsichten, die ihr entsprangen, beeindruckten mich immer wieder.“ Burroughs hielt das Wort für einen Virus, mit dem sich der Mensch infiziert hatte. Mit diesem Virus galt es umzugehen. Je nach Gebrauch konnte das Wort zur Waffe werden.
„Wer sich in einem Kosmos von Konflikten, Invasionen, Verschwörungen & Kontrolle bewegt, weiss, dass die Wahl der Waffen entscheidend ist, um nicht zum Spielball in einem Kräfteverhältnis zu werden, das er als grundlegende Herausforderung sieht.“ Burroughs und Ploog haben sich mit ihren Büchern zeitlebens gegen die herrschenden Zustände aufgelehnt. Sie waren Außenseiter in jeder Hinsicht. Ploog beklagt, daß selbst 50 Jahre nach Erscheinen von „Naked Lunch“ eine „eingehende Auseinandersetzung“ mit diesem Meilenstein der Literatur in Deutschland kaum stattgefunden hat.
Wen wundert es. Das Buch, das nach Erscheinen von staatlicher Zensur bedroht war, ist heute (2025) aktueller denn je. „Diesen Strudel aus kurz aufleuchtenden Bildern, Zeitungsmeldungen, Suchtnotizen, Echtzeit-Beobachtungen & halluzinogenen Visionen verdichtet Burroughs zu sprachlichen Beschwörungen, die gegen Zustände gerichtet sind, die sie evoziert haben.“
Für Menschen, die einen Einstieg zu Cut-up und Burroughs suchen, ist „Magic Burroughs“ ideal. Kurz und bündig wird man in Leben und Werk von Burroughs eingeführt und erfährt alles Wichtige über die Entstehungsgeschichte seines berühmtesten Werkes. Ausgestattet ist es mit 4 schönen Fotos. Wer nach der Lektüre mehr wissen will, der muß „Straßen des Zufalls“ lesen (siehe meine Einzelbesprechung).