Lorre in Metropolis (Moloko Print 2021)

Filme haben in den Texten von Jürgen Ploog immer eine große Rolle gespielt. In all seinen Büchern arbeitet er mit Versatzstücken aus Filmen, die er mochte. Da werden kurze Szenen nachgestellt, Dialogfetzen verwendet, Namen von Schauspielern oder Regisseuren eingestreut. Das postum erschienene „Lorre in Metropolis“ ist die große Reminiszenz an Fritz Lang, an den Schauspieler Peter Lorre, an Science-Fiction-Filme und den Film noir.

„Metropolis“ heißt der expressionistische Stummfilmklassiker von Regisseur Fritz Lang. Schauplatz ist eine futuristische Großstadt, in der eine kleine privilegierte Oberschicht und eine geknechtete Arbeiterschaft nur durch die für beide Klassen unentbehrlichen Maschinen verbunden sind. Langs Film ist für Ploog aber nur die Blaupause für sein Setting, quasi der Kubrick’sche Cut aus „Clockwork Orange“, konkret: der Sprung vom Expressionismus in die Science Fiction.

Lorre ist der Hauptdarsteller in Ploogs Drehbuch, das aus hintereinandergeschnittenen, kurzen Sequenzen besteht, die aus Filmen wie „Metropolis“, „M“, „Casablanca“ oder „Die Spur des Falken“ stammen könnten. Wie immer bei Ploog geht es um das große Ganze. „Eins ist klar: Die Rätsel des menschlichen Bewusstseins sind selbst unter einem Orgonoskop von Wilhelm Reich nicht zu ermitteln. Geschichte lässt sich nicht betrachten, sie muss erfunden werden.“

Wir befinden uns in einer nicht exakt beschriebenen Zeit. „Vermutlich ist nun das lang erwartete apokalyptische Zeitalter angebrochen.“ Auf dem „zerstörten Planeten“ herrscht Chaos. Menschen sind auf der Flucht. Agenten mit zweifelhaften Aufträgen lauern an jeder Ecke. In all dem Durcheinander finden Dreharbeiten statt für einen Film, der neue Bilder finden will für die alte Erfolgsformel: „Liebe Tod Actionszenen Sex Abenteuer Verbrechen.“ Antriebsfeder aller Herrschenden ist, die Macht über die Bilder zu gewinnen. „Wissen ist Macht, aber Bilder (wie einst Gewalt) sind das Mittel, sie auszuüben. (Bildergewalt gehört im Zeitalter der Visualisierung zu den wirksamsten Kontrollinstrumenten.)“

Von je her werden von den Mächtigen Bilder und Sprache dazu benutzt, den Einzelnen zu unterdrücken. „Der Mensch, das sprachliche Tier, kann ohne das Wort nicht auskommen & hat es zur Waffe gemacht.“ Ploog wünscht sich einen Leser, der das durchschaut. Sein Szenario liest sich, als hätte ein unter Speed stehender Quentin Tarantino Regie geführt. Aber im Gegensatz zum Hollywoodstar ist Ploogs Film einer, der nicht „den Gesetzen der Unterhaltungsindustrie unterliegt“. Er ist ein Abgesang auf die Werte der Freiheit. „Die Menschheit hat weniger als den Dreck unterm Fingernagel dazugelernt.“