Kleine Pornografie des Reisens (Moloko Print 2017)

Jürgen Ploog war 30 Jahre lang Flugkapitän. Er war also heute hier, morgen da. Unterwegssein war sein Beruf. Nach seiner Pensionierung war er 27 Jahre lang freier Schriftsteller. Geschrieben hat er aber seit der Pubertät, und gereist ist er auch schon als Jugendlicher.

Seine geballte Erfahrung aus jahrzehntelangem Reisen hat er in diesem Buch in kürzere Erzählungen gepackt, die man nicht unbedingt chronologisch lesen muß. „Kleine Pornografie des Reisens“ heißt das Buch, weil es auch um Nacktes geht. Im Unterwegssein verändern sich Entfernungen und Erfahrungen, so wie sich in der Beziehung zwischen Mann und Frau ständig alles ändert. In der heutigen Zeit gibt es praktisch nichts Verhülltes mehr, nur in der Vorstellung „sind Relikte pornografischer Variationen geblieben“. Auch der Reisende verdrängt und selektiert seine unmittelbare Wahrnehmung. „Die raumzeitlichen Veränderungen, die er erfährt, erschüttern das Nervensystem & destabilisieren den Stoffwechsel, was ihn gleichzeitig auf eine innere Reise schickt & ihn zwingt, seine Beobachtungen auch & vor allem auf sich selbst zu richten. Das heisst, dass sein Sensorium eine wesentliche Erweiterung erfährt, die in erster Linie die visuelle Wahrnehmung unterläuft, auf die sich der sogenannte Tourist vor allem verlässt.“

Ploogs oft erotische Abenteuergeschichten sind getränkt von Welthaltigkeit und Imagination. Sein Protagonist Max befindet sich immer in irgendwelchen zwielichtigen Konflikten an Orten mit südländischem Flair. Immer ist eine Frau mit im Spiel. „Eine Frau brachte die nötige Diffusion ins Bild, die er brauchte, & sie taugte auch, & wenn es nur darum ging, Spuren zu verwischen. Eine Frau garantierte, dass der Ausgang einer Geschichte offen blieb.“

Max ist rastlos unterwegs. Er lebt ein Leben, „das ein Ausnahmezustand war…. Er war einer, den die Zeit ausgespuckt hatte“. Ploog wirft seinen Helden in die verrücktesten Situationen, läßt ihn aber auch über alle möglichen Aspekte des Reisens nachdenken, getreu der Maxime: „Reisen bedeutete, eine bestimmte Auswahl von Bildern in immer neuen Varianten durchspielen.“ Die Handlungen der Geschichten orientieren sich dabei am Gewohnten. Ploogs wahre literarische Meisterschaft zeigt sich in den Beschreibungen der Landschaften, Tageszeiten, sexuellen Phantasien und in seinen philosophischen Reflexionen.

Trotz immer noch harter Schnitte und nicht vorhandenem roten Erzählfaden, ist „Kleine Pornographie des Reisens“ Ploogs dichteste Annäherung an das konventionelle Schreiben. Für Ploog-Novizen sind diese 325 Seiten ein idealer Einstieg.