Die tote Zone (Engstler 1998)

Ein namenloser Erzähler streift ziellos durch die Medina von Tanger, als er von Kairo, einem undurchsichtigen Handlanger, angesprochen wird. Er will von ihm wissen, wo El Meier zu finden ist, der sich auf bewußtseinserweiternde Drogen spezialisiert hatte. Es ist eine ploogtypische Ausgangssituation. „Seit ich nicht mehr flog, hatte ich mich mit Leuten eingelassen, die in Geschäfte verwickelt waren, die mir im Grunde nicht lagen. Illegal oder nicht, sie hatten etwas von Verzweiflungstaten, auf die sich nur Typen einlassen, die es zu nichts gebracht haben.“
Schnell ist der Leser mittendrin in einer Agentengeschichte, in der die Verfolgungsjagden rasant von einem Schauplatz zum anderen wechseln. Wenn es brenzlig für den Verfolgten wird, scheut Ploog auch vor Science-fiction-Elementen nicht zurück, dann macht sich der Bedrängte „hypnopathisch (eine Mischung aus Hypnose & Telepathie)“ aus dem Staub.
Ein immer wiederkehrendes Thema in den Texten von Ploog ist das Verhältnis zwischen Mann und Frau. Dieses Mal heißt die femme fatale Glenda. Auch zwischen ihr und dem Ich-Erzähler gibt es haufenweise Reibereien. „Ich beschloss, ihr gegenüber nur noch Laute von mir zu geben, Unlustgebärden oder Stummfilm-Gesten.“ Es ist der ewige Kampf der Geschlechter, den Ploog in unglaublichen Facetten durchspielt und dafür immer wieder überraschende Wendungen findet. Wenn man mehrere Bücher Ploogs hintereinander wegliest, muß man anerkennend feststellen, welch erstaunlich breites Repertoire er nur für dieses eine Thema hat. Den einen mag das immer wieder Gleiche langweilen, wer sich aber an Sprache berauschen kann, wird reich belohnt.
Im dritten Kapitel z. B. erzählt er auf zwei Seiten die Begegnung zwischen dem Ich-Erzähler und einer Barfrau in Miami Beach. Die beiden sind allein im Raum, getrennt nur vom Tresen. Sie unterhalten sich über Regen. Er versucht sie anzumachen, sie ist einerseits geschmeichelt, andererseits lehnt sie sein Begehren entschieden ab. Wie Ploog dieses kurze Scharmützel fast nur in Dialogen erzählt, ist ganz große Literatur. Genauso wie gleich danach die Beschreibung des einsetzenden Regens: „Ein erster Tropfen streifte mein Gesicht. Es war ein Gefühl, als wäre ein Insekt gegen mich gestossen. Es war ein angenehmer, sanfter Tropfen, kaum spürbar. Ohne Übergang setzte der Regen ein. Er fiel wie etwas, das sich in der Luft nicht mehr halten konnte. Ich sah die Tropfen in Schnüren zu Boden sausen. Es kam mir vor, als gingen sie mit einem gewissen Bedauern nieder oder besser, mit Erleichterung, endlich den Boden zu erreichen. Ein froher Regen, der die Haut nur leicht berührte. Er war so sanft, dass die Nässe kaum zu spüren war.“
Auch in diesem Buch ist Ploog ein Meister der schlagfertigen Dialoge und filmisch geschriebenen Szenen, die locker aneinandergereiht werden, er spielt souverän mit Krimielementen der Schwarzen Serie und mit erotischen Fantasien, die immer nah am pornographischen Kitsch entlangschrammen. „Die tote Zone“ ist ein Krimi für Sprachfreaks, nichts für Krimileser.