Die letzte Dimension (Engstler 2002)

Im Wesentlichen geht es in allen diesen kurzen Gedankenskizzen um das nicht domestizierte Wort, um eine herrschaftsfreie Sprache. „Politische Sprache & Mediensprache haben das Wort verhunzt. (Das verhunzte Wort ist das Wort ohne Sprache, das inhaltslose Wort.) Das hat es zu einem Kontrollinstrument gemacht, zum wichtigen Bestandteil einer Strategie, deren Ziel die Enteignung des Menschen ist. Der enteignete Mensch ist der Mensch, der keine Sprache hat.“ Am Beispiel seiner reichen Lesefrüchte (z.B. Artaud, Castaneda, Flusser, Virilio, Benn, Burroughs, Baudrillard, Deleuze/Guattari, Bowles, Jünger, Borges) zeigt Ploog, was nötig ist, um wieder zu einem selbständigen Sprechen, Denken und Schreiben zu kommen, welche Voraussetzungen nötig sind, um das Leben künstlerisch abbilden zu können.
Artaud ist einer seiner Gewährsmänner, die das programmatisch durchgezogen haben und auch bereit waren, dafür einen hohen Preis zu zahlen. „Artaud kann als Vorläufer des Untergründigen gelten. Sein Anspruch war radikal, sein Schicksal Beispiel für das verachtende einer totalitären Kulturmaschine, die jeden Angriff auf ihre Unlust-Zentren abstraft & sich gegen eine Zersetzung des Realen durch die Poesie abschirmt.“ Letztlich geht es um eine anarchische Grundhaltung in jeder Beziehung, um einen Zustand vollkommener Losgelöstheit, um das Eintauchen in die „Temporäre Autonome Zone“, wie sie Hakim Bey beschrieben hat: „Es geht ihm dabei darum, ein permanentes Element der Veränderung aufzuzeigen, das die domestizierenden (sprich: kolonialistischen) Bestrebungen der westlichen Zivilisation unterläuft.“
Angehängt an die Prosatexte ist ein langes Interview mit dem programmatischen Titel „Ich bin kein Mensch, der den einfachen Weg geht …“, das Marco Spies mit Ploog während der Buchmesse 1998 geführt hat. Hier erfährt man viel Biografisches, vor allem aber breitet Ploog seine gesamte Poetologie aus. Auf kluge Fragen gibt er ausführliche und erhellende Antworten. Gerade in seinen theoretischen Schriften und in seinen Interviews erkennt man, wie viel Philosophie und politisches Bewußtsein in seinem Schreiben stecken.